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Zündholz- und Spatzensteuer haben sich überlebt

Steuern sparen durch Abschaffung

25. Januar 2016 · Beitrag von Torsten Paßmann in den Kategorien: Vermischtes

Zündholz- und Spatzensteuer haben sich überlebt, die Sektsteuer ist langlebig
Steuern können sich überleben, so wie die Zündholz- und Spatzensteuer. Die Sektsteuer ist langlebig.

Benjamin Franklin und Steuern, klingelt da nicht etwas? Richtig! Die Sache mit Tod und Steuern, den zwei sicheren Dingen auf der Welt – im Original „In this world nothing can be said to be certain, except death and taxes.“

Ebenfalls sehr pointiert, wenn auch mit einer leicht anderen Schwerpunktsetzung, hat es Margaret Mitchell in „Vom Winde verweht“ formuliert:  „Death, taxes and childbirth! There’s never any convenient time for any of them.“

Daneben gibt es viele weitere zitierfähige Statements, doch eine Verbindung wird nie hergestellt: der Tod von Steuern. Auf den ersten Blick gibt die Realität dafür auch keinen Anlass, oder?

Immer mehr Steuern und Steuerberater?

Wagen wir einen Ausblick: Im Laufe des Jahres werden a) die hiesigen Politiker Steuererhöhungen vorschlagen und b) die Bundessteuerberaterkammer in wenigen Tagen das erneute Wachstum des Berufsstandes mitteilen. Eine mutige Prognose ist das aber sicherlich nicht, schließlich ist der Ruf nach Steuern seit Jahrzehnten gelebte Praxis und die Zahl der Steuerberater hat sich seit dem Jahr 2000 alle fünf Jahre um ca. 11 % erhöht.

Möglicherweise besteht da eine Korrelation, denn für alle Laien – privat wie gewerblich – kann es nur von Vorteil sein, als Mandant einen fähigen Experten hinter sich zu wissen. Gut, manche greifen auch zur Selbsthilfe und schaffen sich alljährlich 1.000 ganz legale Steuertricks von Konz an (zuletzt übrigens im November 2015 erschienen). Aber allen dürfte gleich sein, dass sie eine hohe Abgabenlast reduzieren wollen.

Sekt- und Hundesteuer als langlebige Klassiker

Manche Abgaben lassen sich dabei trotz professioneller Hilfe faktisch nicht vermeiden. Der gerne zitierte Klassiker einer zweckgebundenen Steuer: Die 1902 eingeführte Sekt- bzw. Schaumweinsteuer, um die kaiserliche Kriegsflotte zu finanzieren. Dass dies ursprünglich schon kaum ausreichend funktioniert hat und der Kaiser seit 1918 in Deutschland Geschichte ist: geschenkt. Bis heute hat diese Steuer aber Bestand und ein Ende ist (seriös) nicht abzuschätzen. Das wahrscheinlich beliebteste Beispiel für eine Lenkungssteuer ist die kommunale Hundesteuer, die den Bestand von Hunden in einem überschaubaren Rahmen halten soll.

Steuersparmodelle sind hier faktisch nur möglich, wenn man den Alkohol auf Helgoland kauft (Beschaffungskosten einplanen!) oder den Hund beispielsweise aus beruflichen Gründen braucht (Schäfer, Züchter). Alle anderen müssen zahlen.

Eindeutig überlebt: Spatzensteuer, Jungfernsteuer oder Perückensteuer

Doch obwohl der Gesetzgeber im Regelfall lieber neue Abgaben erfindet, nutzt er gelegentlich seine Macht für das einfachste Steuersparmodell: Er schafft eine Steuer wieder ab. In größerem Umfang ist das hierzulande zuletzt 1993 passiert, als gleichzeitig die Salz-, Tee– und Zuckersteuer ihr Ende fanden. Zwölf Jahre vorher fanden die Zündholzsteuer und, es wird wahrscheinlich in Altenburg besonders gut angekommen sein, die Spielkartensteuer ihr Ende.

Wie sich Steuern aber überleben, fällt erst beim Blick in die Geschichtsbücher und Museen wirklich auf. So findet sich unter den Exponaten des Steuermuseums beispielsweise ein Dekret zur Spatzensteuer. Um das Saatgut vor Vogelfraß zu schützen, sollte damit vornehmlich im 18. Jahrhundert die Population des Haussperlings (vulgo „Spatz“) eingedämmt werden. Auch in Hannover und Württemberg wurde die Abgabe zwischenzeitlich erhoben. In Berlin gab es zu Beginn des 18. Jahrhunderts zwischenzeitlich eine Jungfernsteuer für ledige Frauen zwischen 20 bis 40 Jahren. Das Motiv dahinter: Für Nachwuchs zu sorgen. Ebenfalls aus Preußen (und ungefähr aus der gleichen Zeit) stammt die Idee einer kurzlebigen Perückensteuer, mit der König Friedrich I. seine zerrütteten Staatsfinanzen sanieren wollte. Als weitere preußische Varianten nennt Hans Peters im Buch „Grenzen der Kommunalen Selbstverwaltung in Preussen“ (S. 183) noch eine Klaviersteuer und eine Dienstbotensteuer.

Und die Moral von der Geschicht

Ausgehen wird Steuerberatern und Finanzbeamten die Arbeit langfristig aber sicher nicht – dafür sind manche Steuern zu lukrativ und Politiker zu kreativ bei der Erfindung neuer Tatbestände…

 

Bildquelle pixabay: Hans (Sekt), jarmoluk (Taschenrechner), markito (Zündhölzer), mobinovyc (Spatz)


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Über den Autor

Torsten Paßmann

Chefredakteur des Blogs. Verfügt über journalistische Erfahrung bei der Rheinischen Post und dem VentureCapital Magazin. War anschließend der Pressesprecher der Berentzen-Gruppe und steuerte dort auch die Investor Relations.


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