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Kanzleifinanzierung: frisches Kapital von außen statt innen

12. September 2016 · Beitrag von Torsten Paßmann in den Kategorien: Tagesgeschäft

Die Kanzlei braucht frisches Kapital, weil die Finanzbasis gestärkt werden soll? Üblicherweise läuft das über weitere Einlagen der Partner, wie das aktuelle Beispiel einer internationalen Anwaltssozietät zeigt. Die StBVS kennt jedoch einen Weg, der die Privatkonten schont.

King & Wood: Finanzspritze von innen

Nur rund zwei Wochen hat es zwischen erster Meldung und Vollzug gedauert: Die australisch-chinesische Großkanzlei King & Wood Mallesons sammelt bei ihren Partnern in Europa und dem Nahen Osten zwischen 80.000 und 240.000 GBP ein. Die Basis dafür ist die Skala von 20 bis 60 Punkten, mit der üblicherweise die Gewinnausschüttung berechnet wird. In diesem Fall diente sie dazu, die jeweilige Einlage um 4.000 GBP pro Punkt zu verdoppeln. Erstmals wurden auch die sogenannten „Salary Partner“, also jene ohne Gewinnbeteiligung, zu Einlagen verpflichtet; Ihr Beitrag wurde auf 60.000 GBP taxiert.

Die Rekapitalisierung soll einer der strategischen Schritte sein, das Geschäft der Sozietät in Europa und dem Nahen Osten zu stärken. Als weitere Maßnahme wurde zudem ein auslaufender Kredit von 20 Mio. GBP verlängert und auf 25 Mio. GBP aufgestockt.

Die Zustimmung zu der Maßnahme soll zwar mit 98% erfolgt sein, aber für Unruhe dürfte die Maßnahme dennoch gesorgt haben. Dies gilt umso mehr, weil laut Branchenmedien bereits umsatzstarke Partner ausgestiegen sind und die Zahl der Partner um 15% reduziert werden soll, insbesondere in Deutschland und Großbritannien.

Alternative: Mandanten zur Stärkung der Kapitalbasis

Mit Ausnahme der „Big Four“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften stehen hiesige Steuerberater zwar selten vor dem Problem, über Kontinente hinweg Finanzentscheidungen zu treffen. Die grundsätzliche Problematik ist aber auch hier gegeben. Einen vergleichbaren Fall haben wir in unseren Referenzen skizziert – die Finanzierung zur Übernahme eines zweiten Standorts.

Hier hatten wir vier Steuerberater, die zusammen mit ihren 20 Angestellten auf ein Umsatzvolumen in Höhe von 3,5 Mio. Euro gekommen sind. Für das Tagesgeschäft war die damit einhergehende Liquidität ausreichend, nicht jedoch, um eine Kanzlei aus dem Nachbarort zu übernehmen. „Woher nehmen, wenn nicht stehlen?“ lautete also die Frage. Da der Bankkredit für die eigene Kanzlei ausfiel, wäre es wie bei King & Wood eigentlich auf weitere Einlagen der vier Partner hinausgelaufen.

Anders als die internationale Sozietät wollten die vier Steuerberater jedoch die eigenen Geldbörsen schonen und haben stattdessen die Mandanten zur Stärkung der Kapitalbasis herangezogen. Und so sah die „Finanzspritze ohne Risiko“ aus: Zuerst floss ein größerer Betrag, weil mit der StBVS die Übernahme bestehender Außenstände vereinbart wurde; dann flossen kontinuierlich kleinere Summen ganz ohne langfristige Zahlungsziele, weil neue Honorarrechnungen umgehend von uns ausgeglichen wurden. Mit dieser Konstruktion konnte die Integration des neuen Standorts wie avisiert gestemmt werden.

Konsequentes Honorarmanagement ist alles

Von außen können wir nur mutmaßen, wie King & Wood in der Finanzbuchhaltung aufgestellt sind und welche Pläne sie konkret verfolgen. Bekannt ist jedoch, dass es neben der Finanzierung durch die Partner und einen erhöhten Kredit auch um schlankere Strukturen geht. So sollen die 17 Fachbereiche in die drei internationalen Einheiten Corporate & Finance, Real Estate und Regulatory & Contention geordnet werden und das Geschäft mit den sogenannten „Private Clients“ wurde abgetrennt. Außerdem, so berichtet es das Magazin Juve, seien „aufgrund der geringen Eigenkapitalbasis Ausschüttungen und Boni nicht immer pünktlich gezahlt worden“.

Bei einem konsequenten Honorarmanagement wäre es wahrscheinlich nie so weit gekommen.


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Über den Autor

Torsten Paßmann

Chefredakteur des Blogs. Verfügt über journalistische Erfahrung bei der Rheinischen Post und dem VentureCapital Magazin. War anschließend der Pressesprecher der Berentzen-Gruppe und steuerte dort auch die Investor Relations.


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