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5 Maler: Steuern in der Renaissance

18. Juli 2016 · Beitrag von Torsten Paßmann in den Kategorien: Vermischtes

Steuern sind ein Thema, das die Menschen berührt. Das ist heute so (siehe unsere Beiträge zu europäischen bzw. US-Filmen) und das war früher ebenfalls so: Bereits in der Bibel kommen Geldeintreiber in Form von Zöllnern vor. Und was ist mit der Zeit dazwischen? Wir haben uns mal unter Malern der Renaissance umgesehen.

Marinus van Reymerswale: enges Repertoire

Marinus van Reymerswale: Der Steuereintreiber und seine Frau (Quelle: Wikimedia Commons, gemeinfrei)Geboren wurde der flämische Renaissancemaler Marinus van Reymerswa(e)le gegen Ende des 15. Jahrhunderts, seine kreative Schaffenszeit hatte er dementsprechend in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Ob er jetzt „ca. 1490“ oder „um 1497 zur Welt kam und ob er „ca. 1546“ oder „1567“ starb – darüber ist sich die freie Enzyklopädie Wikipedia uneinig. In der englischen und niederländischen Sprachversion hat er die kürzere Lebensspanne, in der deutschen Version die längere.

Bekannt wurde er durch seine Bilder des Heiligen Hieronymus, Popularität und Ansehen errang er durch seine Darstellungen von Bankiers, Wucherern und Steuereinnehmern. Diese malte er oft in übertrieben modischer Kleidung, was für eine Bekanntheit bis über die Alpen und die Pyrenäen sorgte. Zwei seiner häufigsten Themen sind „Der Steuereintreiber und seine Frau“ und „Die zwei Steuereintreiber“. Aufgrund des überlieferten Œuvres besteht hier zwischen den Wikipedia-Versionen übrigens keine Differenz.

Marinus van Reymerswale: Die Steuereintreiber (Quelle: Wikimedia Commons, gemeinfrei)Marinus van Reymerswale: Die Steuereinnehmer – National Gallery, London (Quelle: Wikimedia Commons, gemeinfrei)Falls weitergehendes Interesse an diesem Künstler besteht: Seine Werke hängen u.a. im Royal Museum of Fine Arts in Antwerpen, der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden, dem Prado in Madrid, der Alten Pinakothek in München sowie dem New Orleans Museum of Art. Außerdem kann ein fast echter van Reymerswale auch im heimischen Wohnzimmer oder der Steuerkanzlei hängen: Das erste Bild „Die Steuereintreiber“ lässt sich derzeit für 309 EUR inkl. MwSt. über die Plattform Enwaro „detailgetreu nachgemalt“ bestellen.

 

Quentin Massys: zurückhaltender Geldwechsler

Quentin Massys: Der Goldwäger und seine FrauIn die gleiche Motivkerbe, nur seltener, schlug auch Quentin Massys, ebenfalls ein flämischer Maler und zudem Medailleur. Er wurde gut 30 Jahre früher geboren und ist damit einer der frühen Vertreter dieser Genremalereien. Während van Reymerswale viel Wert auf verzerrte Gesichter und klauenartige Hände legte, um seine Botschaft zu transportieren, war Massys bei seiner Version von „Der Geldwechsler und seine Frau“ noch zurückhaltender: Die Mimik des Paares ist vergleichsweise indifferent, die Hände sind ebenso wenig betont.

In einschlägigen Fachveröffentlichungen werden bei der Bildinterpretation insbesondere die farblichen Nuancen hervorgehoben, darunter die Balance des Schwarz-Weiß-Kontrastes bei den Köpfen. Die dominante Rolle der Objekte gilt als Vorstufe zum Stillleben. Auffällig ist das dabei der Spiegel im Vordergrund, der verzerrt nicht nur ein Fenster zeigt, sondern auch den Maler selbst.

Pieter Brueghel der Jüngere: verschiedene Versionen selber Motive

Ziemlich genau 100 Jahre nach Massys erblickte Pieter Brueghel der Jüngere: Paying the Tax (The Tax Collector), USC Fisher Museum of Art Pieter Brueghel der Jüngere im Jahr 1564 das Licht der Welt. Der Sohn von Pieter Brueghel dem Älteren war ein brabantischer Genremaler, der in der Zeit des Übergangs von der Spätrenaissance zum Frühbarock wirkte.

Den Großteil seines Werkes machen Gemälde nach vorhandenen oder bekannten, aber verschollenen Originalen seines Vaters aus. In geringerem Umfang malte er in dessen Stil sowie einige ihm selbst zugeschriebene eigene Kompositionen.

Das Bild „Paying the Tax (The Tax Collector)“ ist im Zeitfenster von 1620–1640 in verschiedenen Versionen entstanden; diese hängt im Fischer Museum of Art der University of Southern California.

Pieter Brueghel der Ältere: Volkszählung im flämischen Bethlehem

 Pieter Bruehgel der Ältere: Volkszählung zu Bethlehem – Koninklijke Musea voor Schone Kunsten van België, Brüssel, Belgien (Wikimedia Commons, gemeinfrei)Kommen wir zu Pieter Brueghel dem Älteren und springen erneut in der Zeit… Er wurde um 1525/1530 geboren und war, wenig überraschend in diesem Kontext, wie die zuvor portraitierten Kollegen gleichfalls ein Renaissancemaler. Während er nur einmal die „Volkszählung zu Bethlehem“ gemalt hat, wurden von seinem nachmalenden Sohn nachweislich 13 Kopien angefertigt.

Warum das Werk hier auftaucht, sollte klar sein: Es hat etwas mit Steuern zu tun. Interessant ist hier aber vor allem das „Wie“, denn Brueghel verlegte die aus dem Lukasevangelium (Lk 2,1 ELB) bekannte Volkszählung kurzerhand komplett in seine Zeit und Heimat.

Das 1566 entstandene, 115,5 × 164,5 cm große Ölgemälde zeigt die Ankunft der Heiligen Familie in Bethlehem bzw. einem winterlichen flämischen Dorf. Typisch für Kalenderbilder für den Monat Dezember war es lange Zeit, eine Schweineschlachtung darzustellen, und dieses Motiv findet sich auch hier links unten. Direkt darüber befindet sich eine Menschentraube vor einem Gasthaus: Im Auftrag der spanischen Zentralregierung werden hier die Steuern eingehoben.

Masaccio: Der Zinsgroschen als politische Botschaft

Der älteste Vertreter in dieser Runde – und der einzige italienische – ist Tommaso di Ser Cassai, genannt Masaccio (* 1401). Er gilt als wichtigster Maler Italiens in der Frührenaissance. Trotz seines frühen Todes, er wurde nur 26 Jahre alt, übte er auf die Kunst der Renaissance einen nachhaltigen Einfluss aus. Dies gilt vor allem für seine Fresken, bei denen ihm eine beispielhafte moderne Ausdrucksweise in Perspektive, Farb- und Lichtführung sowie lebendiger Darstellungsweise der Figuren gelang.

Zu seinen Hauptwerken zählt das Fresko „Der Zinsgroschen“ bzw. „Das Wunder des Zinsgroschens“ in der Kirche Santa Maria del Carmine in Florenz. Die Fresken in der Kirche wurden von einem wohlhabenden Kaufmann gestiftet und mit dieser in Italien selten dargestellten Szene wollte er sich mutmaßlich politisch äußern: Aufgrund eines kostspieligen Kriegs gegen Mailand war die Stadt  Florenz auf zusätzliche Einnahmen durch neue Steuern angewiesen. Die Idee, diese mittels eines Grundbuchs bei den wohlhabenden Schichten einzusammeln, wurde von ihm unterstützt.

Das Fresko wurde nach einer Stelle des Matthäus-Evangelium gefertigt (Mt 17, 24-27): Es zeigt in drei Szenen den Fang eines Fisches durch Petrus (links), das Gespräch der Gruppe mit dem Zöllner und Jesus in der Mitte sowie die Übergabe des gefundenen Geldstücks an den Zöllner (rechts).

Masaccio: Der Zinsgroschen – Kirche Santa Maria del Carmine, Florenz, Italien (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

 

Originale

  • Marinus van Reymerswale: Der Steuereintreiber und seine Frau – Statens Museum for Kunst, Kopenhagen, Dänemark (Wikimedia Commons,  Creative Commons CC0 1.0)
  • Marinus van Reymerswale: Die Steuereintreiber – Eremitage, St. Petersburg, Russland (Wikimedia Commons, gemeinfrei)
  • Marinus van Reymerswale: Der Steuereintreiber – Alte Pinakothek, München, Deutschland (Wikimedia Commons, gemeinfrei)
  • Quentin Massys: Der Steuereintreiber und seine Frau – Musée du Louvre, Paris, Frankreich (Wikimedia Commons, gemeinfrei)
  • Pieter Brueghel der Jüngere: Paying the Tax (The Tax Collector) – USC Fisher Museum of Art, Los Angeles, USA (Wikimedia Commons, gemeinfrei)
  • Pieter Bruehgel der Ältere: Volkszählung zu Bethlehem – Koninklijke Musea voor Schone Kunsten van België, Brüssel, Belgien (Wikimedia Commons, gemeinfrei)
  • Masaccio: Der Zinsgroschen – Kirche Santa Maria del Carmine, Florenz, Italien (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

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Über den Autor

Torsten Paßmann

Chefredakteur des Blogs. Verfügt über journalistische Erfahrung bei der Rheinischen Post und dem VentureCapital Magazin. War anschließend der Pressesprecher der Berentzen-Gruppe und steuerte dort auch die Investor Relations.


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